Am Eingang zu einer Geisterbahn im Wiener Prater, 10/2025.
Eine Zeit der Bedrohungen
Dass Staaten sich immer weniger durch das Völkerrecht schützen können, ist eine der Lehren, der wir uns spätestens angesichts der politischen Fieberschübe der Broligarchie in den USA unterziehen mussten. Venezuela hat das deutlich gezeigt. Auch die Souveränität europäischer Staaten steht wieder auf dem Spiel. Zur Bedrohung durch Putins Russland ist jene durch die Trump-Administration gekommen, die Drohung mit der halluzinierten Donroe Doktrin zeigt Wirkung. Grönland steht zur Disposition. Die westliche Allianz und deren Demokratien wanken, nicht nur durch die Bedrohung neo-imperialistischer Anmaßung, sondern auch durch den demokratischen Faschismus im Inneren. Drohgebärden überall: Wer sich ihnen nicht unterwirft, dem wird Gewalt angedroht: militärisch, ökonomisch und kulturell.
Grönland
Abseits der tagespolitischen Grässlichkeiten fällt der Blick der Europäer aber auch auf bisher Verborgenes und Verdrängtes, etwa auf die prekäre Geschichte Grönlands: Dass sich die autonome Region erst langsam von Dänemark dekolonisiert hat, ist eine Sache; dass sich ihre strategische Bedeutung durch die Klimakatastrophe grundlegend verändert hat, die andere. Eine entsprechende Kartenübersicht des Guardian spricht Bände. Doch nicht nur die Politik und der Tourismus haben Grönland mit einem Mal entdeckt, auch die Literatur hat sich auf den Weg gemacht. 2025 erschien der Roman des österreichischen Schriftstellers Franzobel, Hundert Wörter für Schnee, ein Blick in die Kolonisationsgeschichte des Landes. Der NDR streamt ein Interview mit dem Autor..
Ein unabhängiges Europa
Doch abseits aller kulturgeschichtlichen Anstrengungen gilt die Aktualität der obszönen Avancen durch Trump. Bis auf Weiteres heißt es daher Europa und anderswo in Verkehrung der MAGA-Parole Make America Great Again schlicht und ergreifend: Make America Go Away. Das wird nur gelingen, wenn man sich zu einem selbstbewussten Verhalten ohne Zögerlichkeit durchringen kann. Ein unabhängiges Europa ist gefragt!
Digitale Souveränität
Während in der Politik um den Erhalt von Souveränität gerungen wird, ist sie im IT-Bereich nicht vorhanden, Digitale Souveränität tut Not in Europa. Die ehemalige EU-Abgeordnete und Digitalexpertin Marietje Schaake gibt in einem STANDARD Interview Auskunft darüber, wie sehr die großen Tech-Konzerne die Demokratien bedrohen und weshalb sie derart viel Macht erringen konnten. Eine entschlossene und konfrontative Politik der Europäischen Union und ihrer tatsächlichen Verbündeten ist gefragt und möglich. Aber auch ihre Staatsbürger können durch entsprechendes Verhalten zur Digitalen Souveränität ihres Landes beitragen. Entsprechende Aktionen, wie beispielsweise der Digital Independence Day (Di.Day) tragen dazu bei.
Das Beispiel Wikipedia
Bleibt uns noch Platz für eine wirklich gute Nachricht: Wikipedia hat seinen 25. Geburtstag gefeiert. Sie hat immer schon auf ihre lexikalische Unabhängigkeit achten müssen. Der Zwang zum Kompromiss hat bislang funktioniert. In der Sternstunde Philosophie des SRF gibt Wikipedia-Gründer Jimmy Wales Auskunft.