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eine welt starker frauen

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Heute am Internationalen Frauentag, die Erinnerung, die gerne geteilt wird.

Apollonia Bartussek, die Urgroßmutter, welche ihre dreizehnjährige Enkelin im Erdkeller ihres kleinen Häuschens in Perchtoldsdorf bei Wien versteckte, um sie vor sowjetischen Soldaten zu schützen, die 1945 vergewaltigend durch Niederösterreich zogen. Sie war mutig und beschwerte sich bei der sowjetischen Kommandatur über die marodierenden Truppen. Sie war ein sgn. "Ziegelböhm", Binnenmigrantin in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Es war der zweite Krieg, den sie erleben musste.

Die Großmutter, Rosa Mlnarik, die engagierte Sozialdemokratin, die während des Justizpalastbrandes 1927 von berittener Polizei gejagt wurde, für Wochen in einem der austrofaschistischen "Anhaltelager" einsaß und ihren Mann früh an die grassierende Tuberkulose verlor. Ihre erste Tochter verlor sie kurz nach der Geburt, ihr zweites Kind zog sie während der Krieg- und Nachkriegszeit ohne Mann groß: als Hilfsarbeiterin und Reinigungskraft. Sie sorgte später auch für mich, weil meine Mutter berufstätig war. Der gesetzliche Anspruch auf Mutterschutz betrug damals (bis 1957) sechs Wochen.

Die Mutter, Gertrude K., deren Mann Fredy im Frz. Indochinakrieg schwer verletzt wurde und daran starb. Sie war Sekretärin und musste nebenbei Heimarbeit treiben, um mit ihrem Kind zu überleben. Sie litt als Kriegskind, das die Bombardierung Wiens miterleben musste, an schweren Depressionen. Daneben durfte sie sich mit einem Pflichtvormund herumschlagen, der einmal im Monat zu uns kontrollieren kam, um festzustellen, dass sie als erziehungsberechtigt einzuschätzen war. Ihre Hartnäckigkeit und die weitreichenden Sozialreformen der Regierungen Kreisky ermöglichten mir Studium und Karriere. In ihnen wirkten Frauen wie Herta Firnberg oder Johanna Dohnal.

Mehr braucht zur Rolle von Frauen in unserer Gesellschaft nicht gesagt werden. Auch gegenwärtig nicht. Ich könnte die Liste der mir bekannten starken Frauen gerne fortsetzen. Etwa die eine oder andere Lebensgefährtin nennen, die ich für ihre Haltung und Lebensweisheit aufrichtig bewunderte.

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