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leben mit tieren

dragon.jpg graffity in der u-bahn station handelskai, wien brigittenau, februar 2026


Nein, nicht schon wieder diese Katzenvideos! Auch keine dieser Hashtags, mit denen putzige Haustiere für Zugriffe in sozialen Medien prostituiert werden. Vermeintliche Tierliebe als Zuhältertum, möchte man provokant in den Raum stellen! Sind wir denn nicht imstande, ein aufgeklärtes Verhältnis zu den Tieren zu pflegen?

Tierliebe

Darüber zu diskutieren, ob wir mit unseren Haustieren im Bett schlafen sollen oder nicht, oder ob es Treue zwischen Tieren gibt, sind nur Ausdruck emotionaler Bedürftigkeit und des Hanges zur Vermenschlichung von Wesen, die schlicht keine Menschen sind. Da sind es nur wenige Schritte auf dem Weg zum grenzenlosen Selbstmitleid, wenn die gemeinsame Bestattung mit Tieren als Fortschritt bürokratisch legitimierter Humanität gefeiert wird.

Philosophie

Ein wenig Einordnung des Verhältnisses von Mensch zu Tier tut Not, wer aber erste philosophischen Schritte im Sinne einer Selbstaufklärung unternehmen will, hat noch viel mehr zu lesen und zu reflektieren. Denn wenn es stimmt, dass "Alle Werte ... an Wesen und ihre spezifischen Lebensformen „gebunden“ sind, wie es die US-amerikanische Moralphilosophin Christine M. Korsgaard formuliert, so stimmt wohl auch, dass diese Wesen das Recht auf die Durchsetzung ihrer spezifischen Lebensform besitzen. Hund bleibt Hund und Hamster bleibt Hamster, beide werden entsprechend wertschätzend zu behandeln sein.

In diesem Sinn können wir uns gerne mit unseren Hunden und ihrem Bellen gegen Böllern solidarisieren, aber es bleibt das Geschäft der Menschen, was hier getrieben wird. Jedes Jahr vielleicht, und jedes Jahr wahrscheinlich erfolglos. Der Kampf gegen die gegenwärtige Form der Tierhaltung erschiene mir auf jeden Fall sinnvoller, als auf den Hund zu kommen.

Literatur

Zu guter Letzt noch Hinweise auf ein wenig Literatur. Die ist meinem felinen Mitbewohner gewidmet. Da gibt einmal den beeindruckenden Text von Sabrina Lim Fang mit dem Titel Lionesses. Wer lieber Bücher bevorzugt, greife zu Katzen&Kapitalismus von Courtney Gustafson oder Matias Nespolos 7 Arten, eine Katze zu töten. Was passiert, wenn mensch durch Küsse in Tiere verwandelt werden, erzählt uns die Schweizer Autorin Julia Weber. Da gibt es aber auch die Tiere im Krieg in der Ukraine, wie uns Olena Sachartschenko vor Augen führt.

Für die Boomer unter uns auf jeden Fall: Doris Lessings Katzenbuch und Marlen Haushofers Bartls Abenteuer. Denn ein Leben ohne Katze sei ja sinnlos, wie viele meinen.

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