Graffity am Wiener Handelskai, Jänner 2025
Dass Wien immer schon eine Stadt mit vielen tätigen Spionen war und ist, wissen wir alle. Manche meinen sogar, die Wiener seien geborene Agenten.
Glorreiche Vergangenheit
Ein sehr prominenter Fall, der gerne verfilmt wurde und Thema vieler Bücher war, geht bis in die Monarchie zurück. Der Chef des militärischen Nachrichtendienstes, Oberst Alfred Redl, der erfolgreich für russische, französische und italienische Geheimdienste spioniert hatte, verübte im Zuge seiner Enttarnung 1913 Selbstmord.
Gerne wird beim Thema Spionage und Kalter Krieg auf den 1949 veröffentlichten Film von Carol Reed, Der Dritte Mann verwiesen. Graham Greene hatte dafür ein großartiges Drehbuch geschrieben. Vor den düsteren Kulissen eines zerbombten Wiens vollzieht sich das Schicksal des Kriminellen Harry Lime, in dem ein großartiger Orson Welles eine düstere Figur gibt, die gestrecktes Penizillin verschiebt. Joseph Cotton ist der Gute.
Überwachung statt Spionage
Was uns naturgemäß zu dem kulturhistorischen Phänomen der Spionage führt, seinem Mythos und der dahinter verborgenen Realität. War James Bond einst noch eine Projektionsfläche für Männlichkeit, Technologie-gläubigkeit und die "richtige" Seite des Kalten Krieges, so ist es heute der sgn. Low-Level-Agent (sprich: Wegwerfagent), der das Mindset der Nachrichtendienste und Medien beherrscht. Ansonsten schmuddeln, übrigens sehr erfolgreich, die abgehalfterten Agent*innen der Slow Horses auf AppleTV herum.
Zudem: Der Einsatz der Überwachungssoftware Palantir kann eindeutig mehr als jedes noch so gute Spionagenetzwerk. Es soll, in der enthemmten Sprachlogik der MAGA-Bewegung, "Amerika tödlicher machen" (so sein CEO Alex Karp).
Neue Staatsfeinde
Was uns wieder zurück nach Österreich führt, wurde doch sein ehemaliger Kanzler Kurz bei Palantir angeworben. Fast erleichtert atmen wir auf: Es gibt sie bei uns noch, die robusten und sinistren Männer und Frauen, die Handlanger des russischen Geheimdienstes auf österreichischem Boden. Sieht mensch genauer hin, eröffnet sich ein weitverzweigtes Netz an Beteiligten, ein internationales Geflecht von sinistren Politikern, Geheimdienstlern und anderweitig Kriminellen. Einer Schlüsselfigur wird gerade in Wien der Prozess gemacht: Sein Name ist Egisto Ott. Doch wirkt auch sein Fall mitunter wie eine Agentenposse. Ins Wasser gefallene Spitzenbeamte samt Smartphone, zu kleine Displays bei Diensthandys, etc. etc. Ist er gar nur ein verkappter Jackson Lamb?